Das Gebiet

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das unmittelbare Hinterland von Caorle radikal umgestaltet. Der Großteil der umliegenden Wälder wurde abgeholzt, um landwirtschaftlichen Flächen zu gewinnen. Wasserläufe wurden eingedämmt, Sümpfe trockengelegt, Wassergräben und Rinnen beseitigt. Dabei gingen viele der entlang der Wasserläufe gelegenen Baumbestände verloren. Das Küstengebiet hingegen ist durch wachsende Aufschüttungs- und Erosionsprozesse ständig Veränderungen unterworfen. Ausgehend vom östlichsten Küstengebiet stößt man auf ein 600 Hektar großes „Val Grande“ und „Vallesina“ genanntes Lagunengebiet, welches sich zwischen den Delta-Auen der Flussmündung des Tagliamento- Flusses gebildet hat. Der in unmittelbarer Nähe gelegene Pinienhain ist durch die in den 30er Jahren durchgeführten Aufforstungen entstanden, die erforderlich waren, um die bei den Trockenlegungsarbeiten gewonnenen Landwirtschaftsflächen vor heftigen Winden zu schützen. Weiter im Süden liegt „Valle Vecchia“ eine über 700 Hektar große, zwischen Caorle und Bibione gelegen Insel.

Seit Jahren arbeitet man an einem Projekt zur Wiederherstellung der ursprünglichen Standortverhältnisse, wodurch 20 km Feldhecken, 170 Hektar Wald und 60 Hektar Feuchtgebiete angelegt wurden, die gemeinsam mit einem unberührten Strand, einem üppigen Pinienhain und den über die ganze Lagune verstreuten Sanddünen, ein wichtiges Habitat für zahlreiche, seltene Tier- und Pflanzenarten bieten. Weiter nördlich befinden sich die Lagunen „Valle Zignago“ und die berühmte „Valle Grande“ wo der Schriftsteller Ernest Hemingway einige Zeit verbrachte und fasziniert von der Schönheit dieser eindrucksvollen Landschaft die Inspiration für einige Seiten seines berühmten Buches „Über den Fluss und in die Wälder“ fand. Wenn man die Küste weiter in südwestlicher Richtung entlangfährt, stößt man auf den üppigen Pinienhain in Eraclea Mare, ein idealer Ort zum Spazierengehen oder Fahrrad fahren, entlang der zahlreichen Naturwege, die bis in die „Lagune del Mort“ führen, welche sich in den 30er Jahren infolge der Umleitung des Flusses Piave gebildet hat und aufgrund der zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, die hier zu finden sind, ein beliebtes Ausflugsziel für Naturliebhaber ist. Wenn man weiter südlich in Richtung Jesolo fährt, erreicht man den Fluss Sile, die Oase „Tre Palade“ und die Lagune von Venedig, wo kleine Säugetiere, Reptilien, Amphibien und viele Vogelarten eine für die Fortpflanzung ideale Umgebung finden. Eine weitereichende Wildlandschaft mit sich ständig ändernden Salzwiesen und zahlreichen Fischzuchtgebieten.

Der Fluss Piave, der sich durch dieses Gebiet schlängelt, hat seit jeher die Landschaft mitbestimmt. Ein beachtliches Beispiel ist der Flusspark in San Donà di Piave, der besonders eindrucksvolle Anblicke, schöne Lichtungen und einen überaus kostbaren Waldbestand zu bieten hat. Die Tour führt durch ruhige Flussauen, die man mit dem Fahrrad erkunden kann, bis man Noventa di Piave erreicht hat, wo sich eine Gedenktafel befindet, die an Ernest Hemingway erinnert, der hier während des Ersten Weltkrieges verwundet wurde. Wenn man östlich weiterfährt, gelangt man nach S. Stino di Livenza, wo sich zwei Waldgebiete, „Brandiziol“ und „Prassacon“ befinden, nach Martignon, einer kleinen Ortschaft bei Portogruaro stößt man auf den Wald Lison und Zacchi, die beide Reliktbestände eines früheren Waldes sind. Das Hinterland von Portogruaro ist ein wasserreiches Gebiet mit großen Wald- und Wiesenbeständen. An den zwei Flüssen „Lemene“ und „Reghena“, die das Land durchqueren befinden sich auf diesem Gebiet zahlreiche, teils verfallene, teils renovierte Mühlen, die man heute noch zum Teil besichtigen kann. Besonders erwähnenswert sind die Mühlen Stalis, Boldara, d la Sega, Gruaro, Nogarol, Bagnara. Wenn man weiter in Richtung Fossalta di Portogruaro fährt, kommt man nicht umhin, einen Abstecher nach Villanova zu machen, wo sich eine riesige Eiche befindet. Von hier geht es dann weiter bis zur Villa Mocenigo in Alvisopoli, wo man einen wunderschönen Park besichtigen kann. Wir beenden unsere kleine Reise an der Grenze zur Region Friaul-Julisch-Venetien und erreichen den Fluss Tagliamento. Auch hier wie den Piave entlang, hat sich die Baumvegetation in den Auen ausgebreitet. Wir fahren weiter über San Michele, San Filippo, Cesarolo bis nach Bevazzana, wo die Landschaft ziemlich einheitlich ist, während sie zum Meer hin immer stärker die Merkmale der Lagunengebiete aufweist. Bevor unser Ausflug durch Wälder, Lagunen und Gewässer zu Ende geht, empfehlen wir Tauchbegeisterten einen Tauchgang bei der „tegnua“.

Bei den „Tegnue“ handelt es sich um Unterwasserfelsen, die sich an der Oberen Adria über das ganze Lagunengebiet verstreut, befinden. Hier finden Algen, Korallen, Fische und Krustentiere das ideale Habitat, wo sie prächtig gedeihen können.

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